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Nutrition
15 Min

Personalisierte Ernährung – Wer personalisiert hier eigentlich wen?

von
Stefanie Kratzenstein
11
.
05
.
2021

Die Ernährungsplattform Nutrition Hub hat 75 Expert*innen gefragt, worin sie die Ernährungstrends des nächsten Jahrzehnts sehen [1]. Mit 59% wurde die personalisierte Ernährung als zweitwichtigste Entwicklung genannt. Ein Ergebnis, das nicht überrascht, denn der Markt an Produkten in diesem Segment wächst stetig. Angefangen bei DNA- und Mikrobiomanalysen, über neue Ernährungsapps, bis hin zu Mischprodukten aus Nahrungsergänzungsmitteln oder Müslis, welche auf individuelle Bedürfnisse abgestimmt sind - das Internet ist voll davon [2].  Doch was steckt hinter diesem Trend und warum ist er so wichtig?


Personalisierte Ernährung – Brauchen wir das eigentlich?

Essen, das kann doch eigentlich jede*r und das ist doch auch nicht schwer - oder? Wer sich einmal näher mit dem Thema Ernährung beschäftigt, stößt dabei jedoch schnell an seine Grenzen. Das Forschungsgebiet der Ernährungswissenschaft ist so groß, dass es selbst Ernährungsfachkräften manchmal schwer fällt, auf dem neuesten Stand zu bleiben.

Abgesehen von den unterschiedlichen Themengebieten kommt es immer wieder vor, dass sich bestimmte Empfehlungen nach ein paar Jahren ändern oder Studienergebnisse mit genau den gegensätzlichen Ergebnissen veröffentlicht werden. Für Wissenschaftler*innen ist das gar nicht so verwunderlich, denn Ernährungsstudien zu entwickeln ist kompliziert und zudem haben sie meist eins gemeinsam: Die Individualität der Menschen. In einem idealen Set-Up, mit perfekten Standardbedingungen und gleichem Studienablauf, wird ein Fußball 100 mal genau das Gleiche tun, ein Mensch jedoch nicht unbedingt und zwei unterschiedliche Menschen wohl noch weniger. Einer der häufigsten Sätze, die ich in meiner bisherigen Laufbahn als Ernährungswissenschaftlerin verwendet habe, ist wohl folgender: „Das kommt darauf an…“. Worauf? Nun ja, auf das Alter, das Geschlecht, den Fitnessstatus, das Ziel, die Umweltbedingungen, individuelle Verträglichkeiten - und das ist nur der Anfang. Jeder Mensch ist unterschiedlich. Genetisch. Physisch. Psychisch. Menschen haben unterschiedliche Gewohnheiten, Vorlieben und Lebensumstände. Eine Familie mit drei Kindern hat komplett andere Ansprüche an ihre Ernährung und deren Zubereitung als ein Spitzensportler, der sein Essen vielleicht sogar täglich von Köch*innen zubereitet bekommt. Jemand, der sich noch nie mit dem Thema Ernährung beschäftigt hat, wird beim Lebensmitteleinkauf ganz andere Entscheidungen treffen als jemand, der ein Profi auf dem Gebiet ist. Doch genau aus diesem Grund ist es enorm wichtig, Menschen dabei zu unterstützen, dass sie informierte Entscheidungen treffen können und gleichzeitig das Werkzeug haben, um die Spreu vom Weizen zu trennen.

Was bedeutet "personalisiert" genau?

Bei personalisierter Ernährung denken viele an DNA-Tests und Blutanalysen, welche einem ganz individuell und spezifisch für seinen Genotyp und seine Blutgruppe die optimale Ernährung vorgeben. Doch personalisierte Ernährung beinhaltet viel mehr und durchaus auch Dinge, welche Ernährungsfachkräfte schon seit Jahren praktizieren: Die Entwicklung individueller Konzepte, ausgerichtet auf persönliche Vorlieben, Bedürfnisse, körperliche Einschränkungen oder Anforderungen, sowie soziale Gegebenheiten und Umweltbedingungen. Dabei kann man unterschiedliche Level der Personalisierung unterscheiden [3]. Das unterste Level und damit die Grundlage beinhaltet die Erstellung spezifischer Ernährungsempfehlungen basierend auf Daten zum Ernährungsverhalten, Zielen und Präferenzen. Beispiele hierfür können die klassische Ernährungsberatung auf der Basis eines Ernährungsprotokolls oder die Auswahl von Rezepten mit Hilfe von Filtern oder Schlagwörtern sein. Beim zweiten Level werden zudem weitere individuelle Marker herangezogen, wie die Anthropometrie oder Blutparameter. Bei einer Blutuntersuchung könnte ein Eisenmangel festgestellt worden sein, woraufhin nun spezifisch in einem Ernährungsprotokoll nach den Ursachen für diesen gesucht werden kann. Das dritte Level und damit die höchste Stufe der Personalisierung baut darauf auf, inkludiert zusätzlich jedoch noch weitere Daten, die sich auf die Genetik oder das Mikrobiom beziehen können. So könnte in diesem (rein hypothetischen!) Beispiel eventuell eine bestimmte Genkombination festgestellt werden, bei der Person X  mehr Eisen zu sich nehmen muss, um auf den gleichen Versorgungsstatus zu gelangen, wie der Großteil der Bevölkerung.

Gleichzeitig kann man außerdem die Richtung der Personalisierung unterscheiden. Ausgehend vom Genotyp, medizinischen Daten - wie etwa Blutergebnissen und ähnlichem - oder sogar der Zusammensetzung der mikrobiellen Flora im Darm, können Empfehlungen gegeben werden, welche die Lebensmittelauswahl und die Ernährungsweise beeinflussen. In dem Fall bekommen wir individuelle Empfehlungen basierend auf individuellen körperlichen Gegebenheiten. Unabhängig von dem individuellen Genotyp oder Phenotyp, einer Blutgruppe oder einem Mikrobiom, kann jeder Mensch jedoch auch aufgrund persönlicher Ziele, Vorstellungen und Lebensbedingungen seine Ernährung selber individualisieren. Hier ein kurzes Beispiel: Ich kann Milchprodukte meiden, weil ich eine Laktoseintoleranz habe oder weil ich aus ethischen Gründen darauf verzichten möchte.

Wo stehen wir derzeit?

Die Methoden und Möglichkeiten der personalisierten Ernährung sind demnach so vielfältig, wie die personalisierte Ernährung selbst. Ernährungsempfehlungen ganz spezifisch auf die persönliche DNA, das Mikrobiom, Blut und Ziele abgestimmt, sind natürlich die “Traumvorstellung” - und die Forschung arbeitet mit Hochdruck daran, diesem Ziel immer näher zu kommen. Nichtsdestotrotz stehen wir im Moment noch ganz am Anfang. Die menschliche DNA und alle Prozesse, die damit verbunden sind, sind ein hochkomplexes System, welches durch so viele Faktoren beeinflusst werden kann, dass es im Moment noch schwierig ist valide, reliable und akkurate Informationen darüber weiterzugeben [4, 5]. Dieses komplexe System macht es Laien oftmals sehr schwer, Empfehlungen zu verstehen und richtig einzuschätzen. Es bedarf daher gut geschulten Fachkräften, welche diese Informationen weitergeben und analysieren und gleichzeitig auch konkrete Handlungsempfehlungen geben können.  Des Weiteren sind noch viele Fragen auf der rechtlichen, aber auch auf der ethischen Seite ungeklärt, was die personalisierte Ernährung angeht [2, 5]. Welchen psychischen Einfluss kann die Nachricht über eine krankhafte Genvariante haben?  Welche Informationen führen tatsächlich zu einer positiven Änderung des Verhaltens und welche eventuell zur Resignation? Wie sollten diese begleitet und aufbereitet werden? Dies alles sind zusätzliche Fragen, welche im Zuge der Debatte um die personalisierte Ernährung beachtet werden sollten [5]. Es bleibt daher wahnsinnig spannend, was sich auf diesem Forschungsfeld in den nächsten Jahren tut.

Wie integrieren wir personalisierte Ernährung in unseren Service?

Personalisierte Ernährung bedeutet für uns bei wyldr, dass diese sich stressfrei in den Alltag unterschiedlicher Menschen mit verschiedensten Lebensentwürfen integrieren lässt und individuelle gesundheitliche Bedürfnisse und Ziele berücksichtigt. Gleichzeitig möchten wir unseren Kund*innen Informationen mit an die Hand gegeben, die es ihnen ermöglichen, die für sich individuell richtigen Entscheidungen zu treffen. Dazu beginnen wir vorerst mit den Grundlagen der personalisierten Ernährung. Durch verschiedene Auswahlmöglichkeiten von gesundheitlichen Zielen oder Ernährungsformen erstellen wir ein Ranking für die Rezeptauswahl.

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Abb. 1 Gefüllte Süßkartoffel mit würzigen Kichererbsen von wyldr.

In der Zukunft planen wir diese Auswahlkriterien noch stärker zu erweitern, so dass Du Deinen Fokus beispielsweise auch auf calcium- und eisenreiche Gerichte oder proteinreiche und zuckerarme Rezepte legen kannst. Zudem steht eine Erweiterung unserer Health Goals in Aussicht und die Integration zusätzlicher Filtermöglichkeiten in unsere App, welche es beispielsweise auch Allergiker*innen ermöglichen soll, die für sie passenden Gerichte zu finden. Und wer weiß, vielleicht können wir ja irgendwann sogar auf DNA-Analysen basierende Rezepte anbieten. Es bleibt auf jeden Fall spannend!

Auf unserem Blog findest Du noch weitere Artikel rund um das Thema Ernährung: Du möchtest mehr über Ballaststoffe erfahren, dann klick hier. Wenn Du über eine planetenfreundliche Ernährung lesen möchtest, dann klick hier.

Quellen:
1. NUTRITION HUB EN (2021) Nutrition Trend Report: The 10 most important nutrition trends in 2021. https://www.nutrition-hub.com/post/nutrition-trend-report-the-10-most-important-nutrition-trends-2021. Zugegriffen: 29. April 2021.

2. Röttger-Wirtz S, Boer Alie de (2021) Personalised Nutrition: The EU’s Fragmented Legal Landscape and the Overlooked Implications of EU Food Law. European Journal of Risk Regulation 12:212–235. https://doi.org/10.1017/err.2020.79.

3. Asker Jeukendrup (2019) Personalised sports nutrition. https://www.mysportscience.com/post/personalised-sports-nutrition. Zugegriffen: 3. Mai 2021.

4. Holzapfel C, Dawczynski C, Henze A, Simon MC (2021) Personalized dietary recommendations for weight loss. A scientific perspective from various angles. Ernahrungs Umschau 68(2):26–35.

5. Mullins VA, Bresette W, Johnstone L, Hallmark B, Chilton FH (2020) Genomics in Personalized Nutrition: Can You "Eat for Your Genes"? Nutrients 12. https://doi.org/10.3390/nu12103118.

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